Über die Beteiligungsleinwand

Das Webtool www.gut-beteiligt.de ist im Zuge des Forschungsprojektes „Impulse zur Bürgerbeteiligung vor allem unter Inklusionsaspekten – empirische Befragungen, dialogische Auswertungen, Synthese praxistauglicher Empfehlungen zu Beteiligungsprozessen“ entstanden. Innerhalb des Forschungsvorhabens wurde die Frage untersucht, aus welchen Gründen Menschen nicht an informellen Beteiligungsverfahren teilnehmen und welche Möglichkeiten es gibt, nicht erreichte Gruppen stärker zu beteiligen. 

Ziel der Forschung war es, anhand der Ergebnisse Impulse und konkrete Handlungsempfehlungen für die Optimierung von Beteiligungsverfahren in Hinsicht auf Inklusionsaspekte zu geben. Parallel wurde deshalb ein internetbasiertes Tool entwickelt, welches die gewonnenen Erkenntnisse in Erfolgsfaktoren in Form von ‚Mustern des Gelingens’ für eine qualitativ hochwertige Beteiligung übersetzt und als Empfehlungen für Verantwortliche von Beteiligungsprojekten zur Verfügung stellt. Dafür wurden die aus der Analyse gewonnenen Qualitätskriterien für Beteiligungsverfahren sowie Strategien für Inklusion in Form von Mustern des Gelingens so aufbereitet, dass sie als Handlungsempfehlungen für Praktizierende fungieren können. Die Daten aus Literaturrecherche, empirischer Befragung und dialogischer Auswertung wurden hierfür kombiniert, verdichtet und anschließend zu konkreten Lösungsmustern ausgearbeitet. Integriert in das Webtool unterstützen sie die Verantwortlichen bei der Planung und Durchführung eines Beteiligungsverfahrens. In dem jeweiligen Kontext lassen sich individuelle Gestaltungsansätze finden und bieten auf diese Weise relevante Anhaltspunkte für die Konzipierung von Beteiligungsverfahren für Politik und Verwaltung sowie für weitere Interessengruppen wie beispielsweise Nichtregierungsorganisationen, Prozessbegleitende und andere zivilgesellschaftliche Akteure.

Die Empfehlungen beziehen sich nicht nur auf die Veranstaltungsdurchführung und die dort verwendeten Methoden und Formate, sondern schließen alle Kategorien der Beteiligungsleinwand mit ein. Das beinhaltet die vorangestellte Analyse des Feldes, innerhalb dessen sich das Projekt befindet, die Veranstaltungsgestaltung als auch die anschließende Kultivierung. Denn die alleinige Fokussierung auf die verfahrensbezogenen Kriterien und Veranstaltungsformate ist keine ausreichende Bedingung für ein gelingendes Verfahren. Vielmehr ist gerade die Klärung von Intention, Rahmenbedingungen und Haltungen sowie die Art und Weise der Kommunikation ausschlaggebend für gelingende inklusive Prozesse. 

Außer passgenauen Empfehlungen sollen die späteren Nutzenden sich zusätzlich über die relevanten Themenkomplexe für die Konzeption von Partizipationsverfahren informieren können. Die Auseinandersetzung der nicht immer beteiligungserfahrenen Verantwortlichen mit den gegebenen Rahmenbedingungen sowie verfahrens- und prozessbezogenen Einflussfaktoren des eigenen Vorhabens, den Möglichkeiten und Grenzen bei der Gestaltung von Bürgerbeteiligungsverfahren soll helfen, die Anforderungen an und Möglichkeiten des eigenen Verfahrens zu erkunden. Berührungsängste mit dem Thema Bürgerbeteiligung können abgebaut, Haltungen und eingespielte Muster überdacht und neue Herangehensweisen gefördert werden. In diesem Sinn regt das Webtool zu einer reflexiven Haltung gegenüber dem eigenen Vorhaben an. Anstelle des Zurückgreifens auf Standardformate sollen Möglichkeitsräume innerhalb der Gestaltung von Beteiligungsverfahren aufgezeigt werden. Die Empfehlungen als Muster sind dazu gedacht, eher individuelle Konzepte als fertige Standartlösungen zu fördern. Die einzelnen Planungsvorschläge sollen von den Vorhabensverantwortlichen nicht nur befolgt, sondern auch verstanden, hinterfragt und individuell entwickelt werden können. Das gibt die Freiheit, einzelne Schritte tatsächlich auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen zu können und dem Gesamtprozess eigene Impulse einzuschreiben.

In diesem Sinne stellt das Tool einen Impulsgeber für qualitative Bürgerbeteiligung vor allem unter Inklusionsaspekten dar.

Das Projekt wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) im Zeitraum von Oktober 2015 bis März 2017 durch das Institut für Partizipatives Gestalten (IPG) durchgeführt.